Entstehung

Als man im Jahre 1168 Silbererze im Gebiet der heutigen Stadt Freiberg entdeckte, wurde auch das Gebirge von Böhmen aus über den Kamm rasch erschlossen. Die bäuerliche Besiedlung des Erzgebirgskammes begann 1169 und die für das Erzgebirge typischen Waldhufendörfer entstanden. Der Ort Dippoldiswalde wurde schon 1218 als Bergstadt erwähnt und 1266 Silberbergbau, aber auch Blei- und Kupfererze in Quarzgängen genannt. Der Erzpriester von Dippoldiswalde (heutige Kreisstadt) hatte, wie die Meißner Stiftsmatrikel von 1346 belegen, unter anderem die Aufsicht über die Kirchen zu "Bernstein", "Jahnsbach", "Dittersdorf" und Glashütte. Genannte Orte besaßen demnach bereits 1346 eigene Kirchen bzw. Kapellen. Glashütte ist damit erstmals erwähnt.

Wie Glashütte zu seinem Namen kam

Weit verbreitet ist die Meinung, dass der Name der Stadt Glashütte auf die Verhüttung von so genannten Glaserz, einem reichhaltigen Silbererz, zurückginge. Jedoch wird als Glashütte bereits 1443 ein wüstes Dorf mit zwei Eisenhämmern aktenkundig erwähnt, das 1429 Hussiten zerstörten. Silber fand man jedoch erst um 1490. Somit geht der Name dieser Stadt auf eine Glashütte zurück, die vor dem Bau dieser Hämmer ihre Produktion einstellte. Sie könnte damit in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert werden. Einen Anhaltspunkt zur Lagebeschreibung dieser Hütte könnte eine Akte aus dem Jahr 1493 geben, in der ein "…Bergmeister uffm Glasberge…" erwähnt wird. Die Glashütte müsste demnach nahe dieser alten Grube gelegen haben. Der Flurname Glasberg wurde von den später wichtigeren, bergbaulichen Flurnamen überlagert und existiert heute nicht mehr. Da die Burgen Lauenstein und Bärenstein zu dieser Zeit bereits existierten und näher an Böhmen lagen, ist zu vermuten, dass diese Glashütte die Aufgabe hatte, mit ihrem Rodungspotential Freiflächen für den Bergbau und eine spätere Besiedlung zu schaffen.

Die Verleihung des StadtrechtsStadtsiegel der ehem. Kurfürst-Moritz-Brücke an einer Stützmauer hinter dem Bahnhof

Am 10. Februar des Jahres 1506 verlieh Landesherr Herzog Georg von Sachsen (1471-1539), auch der "Bärtige" genannt, einen Platz und Raum, um eine Stadt darauf zu errichten und befreite sie mit einem Stadtrecht. Weiterhin erhielt die Stadt damit die Erlaubnis, sich als freie Bergstadt zu bezeichnen und ein Stadtsiegel zu führen "Schlegel und Eisen", das heute noch an einer Stützmauer hinter dem Bahnhof zu sehen ist (hier stand früher die Kurfürst-Moritz-Brücke, die bei einem schweren Hochwasser 1927 zerstört wurde).

Am Anfang war der Bergbau

Fortan prägte der Bergbau das Leben in der Stadt für zwei Jahrhunderte, bei welchem Silber, Kupfer, Eisen und Zinn abgebaut wurde. Laut Akten befanden sich 140, teils auch sehr bedeutsame Grubenbaue im Stadtgebiet. 1535 wurde nach 15 Jahren Bauzeit die St. Wolfgangskirche, die im spätgotischen Stil errichtet und nach dem Schutzheiligen der Bergleute benannt wurde, feierlich eingeweiht. Eine Bergkapelle soll es schon 1490 gegeben haben. Der 1618 beginnende dreißigjährige Krieg brachte große Armut und Not über die Stadt und ihre Umgebung. Schon 1633, als in den Nachbarorten viele Menschen durch die Pest den Tod fanden, drangen kaiserliche Soldaten nach Glashütte ein. Sie mißhandelten Bergleute und zerstörten große Teile der Stadt und der Bergwerksanlagen, was mehrere Einwohner zum Wegzug bewog.

Große Not in Glashütte

Auch zur Zeit des nordischen Krieges (1700-1721), bei dem Franzosen und Schweden in Glashütte einquartiert waren und eine unglaubliche Misswirtschaft hinterließen, aber auch der siebenjährige Krieg (1756-1763), trugen zu großer Not bis zum Anfang des
19. Jahrhunderts bei. 1769 wurde Glashütte als ein "durch den gänzlichen Verfall des Bergbaues ganz verarmter Ort" bezeichnet, der "besonders durch den letzten verderblichen Krieg vollends gar zu Grunde gerichtet" worden sei. Durch mehr als eine feindliche Blick über die Dächer von GlashütteFeuersbrunst liegen von 156 Häusern 78 als Brandstellen wüste und nur noch 78 sind "nach Zerstreuung der verunglückten Bürger" noch bewohnt. Die Regierung förderte den Bau von Wohnhäusern, von denen, wie man an den Schlußsteinen über einigen Hauseingängen noch heute sehen kann, besonders viele im Jahr 1792 errichtet wurden. Die teilweise noch gut erhaltenen Schlußsteine deuten darauf hin, dass es sich um Gebäude der sogenannten "Baubegnadigungszeit" handelt. 1791 begannen die Glashütter mit bergmännischer Hoffnung den Abbau von Erzen noch einmal neu zu beleben, und das mit Erfolg. Mit besonderer Energie wurde der Abbau in vielen der alten Gruben wieder aufgenommen. 1807 gingen die Erzvorräte langsam zur Neige. Einzige Einnahmequelle für eine bescheidene Lebensweise war nun das Strohflechten und die Landwirtschaft.

Die Uhrenindustrie belebt die Stadt

Die Versuche, fremde Industrien im Erzgebirge heimisch zu machen, sind oft recht verschieden ausgelaufen. In Carlsfeld gründete eine gemeinnützige Stiftung 1829 eine Fabrik für Schwarzwälder Uhren. Man wollte das "Sächsische Sibirien" aus seinen Hungersnöten erretten. Doch blühte dieser Erwerbszweig nur bis 1865. Ganz anders verlief der Versuch in Glashütte.
1845, als Ferdinand Adolf Lange die Uhrmacherei in Glashütte einführte, begann die Wandlung von der Bergstadt zur Industriestadt. Glashütte entwickelte sich und errang durch Qualitätsarbeit Weltruf. 1912 bekam die Stadt die Genehmigung vom sächsischen König für einFerdinand Adolf Lange-Denkmal neues Stadtwappen. In einem von Gold und Rot quergeteilten Schild stehen im oberen Teil die schräggekreuzten schwarzen Berghämmer, im unteren Teil ein silbernes Ziffernblatt mit roter Sonne. Mit Beginn des 1. Weltkrieges 1914 und der anschließenden Inflation kam es in Glashütte zu schwierigen Witschaftverhältnissen, durch welche viele Betriebe Konkurs anmelden mußten. Mit der Gründung der "Uhren-Rohwerke-Fabrik AG" und der "Uhrenfabrik Glashütte AG" wurden in Deutschland erstmals Armbanduhrenwerke hergestellt, die Glashütter Uhrenindustrie begann wieder zu leben. In den Jahren des 2. Weltkrieges wurden von den Uhrmachern Fliegerarmbanduhren, Beobachtungstaschenuhren, Schiffschronometer und auch Zeitzünder gefertigt. Die teilweise Zerstörung von Glashütte durch russische Flieger am 08.05.1945, aber auch die dazukommenden einsetzenden Enteignungen, gefährdeten den Fortbestand der Glashütter Uhrenindustrie stark. Im Jahre 1951 schlossen sich alle bedeutenden Uhrenproduktionen zum Einzelunternehmen "VEB Glashütter Uhrenbetrieb" zusammen, welche viele eigene Uhrenwerke entwickelte. Die Tradition der 150jährigen Uhrenfertigung wurde bis heute fortgesetzt. Die heutigen Uhrenfirmen sind weltweit bekannt durch Ihre Produktion hochfeiner, nobler mechanischer Armbanduhren.